042012

Christ-Katholische Kirche

Administratur der Nordisch-Katholischen Kirche in Deutschland

 

 

Ökumenische Begegnung mit dem Apostolischen Nuntius

 

Generalvikar Klaus Mass begegnete am 29. Oktober dem Apostolischen Nuntius in Berlin. Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset hatte den Generalvikar der Christ-Katholischen Kirche in Deutschland zu einem persönlichen Gespräch in die Apostolische Nuntiatur nach Berlin eingeladen. Gleichzeitig dankte der Sekretär der deutschen Bischofskonferenz Pater Dr. Hans Langendörfer in einem Schreiben an den Generalvikar für die Informationen über die Gründung der Christ-Katholischen Kirche in Deutschland.

 

 

Das Credo und die "Filioque"-Frage

von Dieter Kniese, Pfr. em.

 

Seit den frühesten Zeiten der Kirche hat es Bestrebungen gegeben, den christlichen Glauben in Form von Bekenntnissen fassbar zu machen und festzuschreiben. Auf der Internetseite unserer Christ-Katholischen Kirche finden wir unter der Rubrik »Überzeugungen« das »Credo«, das Glaubensbekenntnis unserer Kirche, das auf die Konzilien von Nicäa im Jahre 325 und Konstantinopel des Jahres 381 zurückgeht. Dieses Bekenntnis ist allerdings nicht die älteste Glaubensformel der frühen Christenheit. Dies ist vielmehr das als „Romanum“ bezeichnete altrömische Glaubensbekenntnis, und es gilt als eines der ersten christlichen Bekenntnisse und stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts.

 

Der griechische Text, später von Rufinus von Aquileia ins Lateinische übersetzt, findet sich in seiner Schrift »Commentarius in symbolum apostolorum« und im »Codex Laudianus«. Quellen für den griechischen Text sind Marcellus von Ancyra (um die Mitte des 4. Jahrhunderts) und das »Psalterium Aethelstani«. Es lautet in der deutschen Übersetzung:

 

 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen;

 

Und an Jesus Christus, seinen Sohn, den Einziggeborenen, unseren Herrn,

 

der geboren ist aus Heiligem Geist und Maria, der Jungfrau,

 

der unter Pontius Pilatus gekreuzigt und begraben wurde,

 

am dritten Tag auferstand von den Toten,

 

aufstieg in den Himmel,

 

zur Rechten des Vaters sitzt,

 

von dannen er kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten;

 

Und an den Heiligen Geist,

 

die heilige Kirche,

 

die Vergebung der Sünden,

 

des Fleisches Auferstehung.

 

 

Dieses Konzil war vor allem eine Reaktion auf den arianischen Streit, der ursprünglich auf eine interne Auseinandersetzung innerhalb der alexandrinischen Gemeinde zurückging: Arius, Presbyter der dortigen Gemeinde, war der Ansicht, dass nur Gott allein wahrer Gott sein könne, weil er allein nicht geschaffen worden sei. Er vertrat deshalb die Lehre der drei göttlichen "Hypostasen" (Substanzen). So behauptete er, der Sohn Gottes sei aus dem Willen Gottes gezeugt worden und darum nicht wesensgleich mit dem Vater. Arius rief damit den Widerstand Alexanders, des Bischofs von Alexandrien, hervor. Da beide Seiten einflussreiche Anhänger hatten, drohte die Kirche an diesem Streit zu zerbrechen, was Kaiser Konstantin, der selbst zwar kein Christ war, auf den Plan rief, da er auch um die innere Stabilität seines Reiches fürchtete und zugleich um die Einheit der Kirche besorgt war, sicherte sie doch seine Herrschaft.

 

Das Konzilsergebnis war das Nicänum, das Bekenntnis von Nicäa, das durch das im Jahre 381 folgende Konzil von Konstantinopel erweitert wurde. Während sich im Westteil des Reiches die nizänische Lehre weitestgehend durchgesetzt hatte, tauchten im Osten des Reiches immer wieder neue und teils stark abweichende Lehren auf, welche die von Konstantin hergestellte Einheit der Kirche gefährdeten und offen gegen die Beschlüsse von Nizäa opponierten. Kaiser Theodosius beauftragte Meletius, den einflussreichen Bischof von Antiochia, mit der Einberufung des Konzils; dieser starb allerdings kurz nach der Konzilseröffnung, und Gregor von Nazianz übernahm die Leitung der Reichssynode. Neben einigen anderen Fragen, die die Neubesetzung von Bischofsstühlen betrafen, stritt man nun über ein trinitarisches Bekenntnis, das für die gesamte Kirche von letzter Gültigkeit sein sollte. Bis heute hat dieses Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel eine nahezu allgemeine Gültigkeit und ist das im weitesten Sinne ökumenische Bekenntnis, da es alle christlichen Konfessionen verbindet:

 

Wir glauben an den einen Gott,

 

den Vater, den Allmächtigen,

 

der alles geschaffen hat, Himmel und Erde,

 

die sichtbare und die unsichtbare Welt.

 

Und an den einen Herrn Jesus Christus,

 

Gottes eingeborenen Sohn,

 

aus dem Vater geboren vor aller Zeit:

 

Gott von Gott, Licht vom Licht,

 

wahrer Gott vom wahren Gott,

 

gezeugt, nicht geschaffen,

 

eines Wesens mit dem Vater;

 

durch ihn ist alles geschaffen.

 

Für uns Menschen und zu unserem Heil

 

ist er vom Himmel gekommen,

 

hat Fleisch angenommen

 

durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria

 

und ist Mensch geworden.

 

Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,

 

hat gelitten und ist begraben worden,

 

ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift

 

und aufgefahren in den Himmel.

 

Er sitzt zur Rechten des Vaters

 

und wird wiederkommen in Herrlichkeit,

 

zu richten die Lebenden und die Toten;

 

seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

 

Wir glauben an den Heiligen Geist,

 

der Herr ist und lebendig macht,

 

der aus dem Vater hervorgeht,

 

der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,

 

der gesprochen hat durch die Propheten,

 

und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.

 

Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.

 

Wir erwarten die Auferstehung der Toten

 

und das Leben der kommenden Welt.

 

Amen.

 

 

Vom sechsten Jahrhundert an wird dieses Nicäno-Konstantinopolitanum als eine Revision des Bekenntnisses von Nicäa bezeichnet und in den Orientalisch-Orthodoxen Kirchen bis heute verwendet.

 

Schon seit dem vierten Jahrhundert setzte die westliche Kirche beim Heiligen Geist den Zusatz „und dem Sohn“ = „filioque“ hinzu. Dieser Zusatz kam zuerst bei den Goten im frühmittelalterlichen Spanien auf. Auch im fränkischen Reich wurde er wiederholt verwendet, wenn auch teils gegen Widerstände, und schließlich wurde er auf der Aachener Synode im Jahre 809 als verbindlich promulgiert.

 

So schrieb dieses von Kaiser Karl dem Großen im November 809 einberufene Konzil Kirchengeschichte. Es verabschiedete ein Dekret, mit dem der Fankenherrscher diesen in seinem Reich gebräuchlich gewordenen Einschub im christlichen Glaubensbekenntnis rechtfertigte. Mit dem Zusatz "filioque" bekannte man im fränkischen Reich, dass der Heilige Geist "vom Vater und vom Sohn" ausgehe.

 

Diese Veränderung des Urtextes wurde zum Stein des Anstoßes für die Orthodoxie und zu einem der Hauptpunkte der Trennung der Kirchen zwischen Ost und West, seine Verteidigung durch das fränkische Konzil zum Modell für die Argumentation des Westens in den theologischen Kontroversen des Mittelalters.

 

»Im November 809 fand in Aachen (Nordrhein-Westfalen) auf Anordnung Ks. Karls des Großen eine Reichssynode statt, die sich hauptsächlich mit der Frage des Filioque beschäftigte. Akten der Synode sind nicht erhalten, doch wurde zu diesem Anlaß eine Reihe von theologischen Gutachten erstellt: A) Ebf. Arn von Salzburg, „Testimonia ex sacris voluminibus collecta”; B) Abt Smaragd von St-Mihiel, „Epistula de processione spiritus sancti”; C) Bf. Theodulf von Orléans, „Libellus de processione spiritus sancti”; D) Bf. Heito von Basel, „Testimonia de processione spiritus sancti”; E) Bf. Adalwin von Regensburg, „Testimonia de aequalitate spiritus sancti cum patre et filio seu de processione eius ex ambobus”. Auf Grundlage von A wurde dann ein gemeinsames Gutachten der Synode beschlossen und an P. Leo III. nach Rom geschickt, das Decretum Aquisgranense de processione spiritus sancti a patre et filio (F). Die Disputation mit dem Papst darüber führte jedoch zu keinem Ergebnis, da Leo am alten Glaubensbekenntnis (ohne Filioque) festhielt; das Protokoll zu dieser Disputation ist erhalten unter dem Titel „Ratio Romana de symbolo fidei” (G).« [Deutinger S.4]

 

Papst Benedikt VIII. akzeptierte auf Bitten Kaiser Heinrichs II. den „filioque“-Zusatz, ohne die übrigen vier Patriarchate zu konsultieren. So war dieser Zusatz einer der Hauptgründe für das Schisma zwischen der West- und der Ostkirche im Jahre 1054.

 

»Im Hinblick auf die Bestimmung des Verhältnisses von Vater, Sohn und Geist hat es in den Ostkirchen und der Westkirche unterschiedliche Entwicklungen gegeben. Im ursprünglichen Text des I. Konzils von Konstantinopel wird noch nichts über das Verhältnis des Geistes zum Sohn ausgesagt.

 

Um dieses näher zu bestimmen, hat die Westkirche in einem langwierigen Prozess das „Credo“ um die Aussage, dass der Geist aus dem Vater und dem Sohn (filioque) hervorgeht, erweitert. Dies führte zu einem erbitterten Konflikt mit der Ostkirche, die darin einen ungebührlichen Eingriff in den überkommenen Bekenntnistext sah und sieht.

 

Bis heute stellt diese Formulierung einen Unterschied zu den orthodoxen Kirchen dar. Während die Orthodoxen mit der Formulierung „aus dem Vater durch den Sohn“ besonders hervorheben wollen, dass Gott allein Ursprung und Quelle ist, soll mit dem „filioque“ besonders hervorgehoben werden, dass der wesensgleiche Sohn dem Vater gleichgestellt ist.«[in:Die Deutschen Bischöfe Nr. 83 (2006) S. 83 Nr. 106]

 

Im 11. Jahrhundert wurde der "filioque"-Zusatz in der westlichen Kirche für verbindlich erklärt. 1439 unternahm das Konzil von Ferrara-Florenz zwar einen erfolglosen Versuch, die unterschiedlichen Standpunkte zu versöhnen, die Kirchen des Ostens und des Westens blieben aber getrennt, wobei die mit dem „filioque“ verbundene Lehre einen der wesentlichen Unterschiede dargestellt hat.

 

Andererseits ist aber auch festzustellen, dass es selbst innerhalb der die Autorität des Papstes anerkennenden Kirchen in dieser Frage unterschiedliche Praktiken gibt:

 

„Aus dem selbstverständlichen Gebrauch des „filioque“ in den „lateinischen“ Kirchen könnte der Eindruck entstehen, dass es zur Vorbedingung gehört, um Communio mit der „römischen“ Kirche und dem Papst zu haben. Allerdings bezeugen die katholischen Ostkirchen, die in Gemeinschaft mit dem Papst leben und die das Glaubensbekenntnis so beten wie ihre Glaubensgeschwister in den orthodoxen Kirchen (nämlich ohne das „filioque“), dass es zwar im Westen allgemeiner Usus ist, aber doch nicht zum Kernbereich des Glaubensbekenntnisses gehört (sonst dürfte es nirgends fehlen).

 

Einige Beispiele "aus der Praxis": In den Gottesdienstvorlagen zur Weltgebetswoche für die Einheit der Christen war in den Jahren 2007 und 2009 jeweils auch das Nicaeno-Konstantinopolitanum enthalten, beide Male ohne "filioque". Dasselbe gilt für den Ökumenischen Gottesdienst aus Anlass der Unterzeichnung der gegenseitigen Taufanerkennung in Magdeburg am 29. April 2007.

 

In den von Kardinal Lehmann im April 2008 für seine Diözese in Kraft gesetzten Richtlinien für Ökumenische Gottesdienste findet sich ein eigener Abschnitt zum Thema "Glaubensbekenntnisse" (Nr. 7, S. 25-27), in dem das Nicaeno-Konstantinopolitanum ebenfalls in seiner ursprünglichen Fassung zitiert wird. In den einführenden Worten heißt es dazu, dass diese Form bei Ökumenischen Gottesdiensten "immer häufiger in Gebrauch gekommen" sei.
In der alten Papstmesse wurde das Credo immer auch auf griechisch gesungen, selbstverständlich in der Urform, also ohne "filioque". Johannes Paul II. hat diese Lesung des Credos auf griechisch wieder eingeführt. Das Dokument der Glaubenskongregation „Dominus Iesus“ vom Sommer 2000 beginnt mit dem Credo - in allen Sprachen außer französisch ohne "filioque" [aus: Das „filioque in der Diskussion – Stellungnahme von Prof. Dr. Thomas Bremer, Münster]

 

Die Tatsache, dass sowohl die Kirche Roms als auch die Lutherische Kirche in der Frage des „filioque“ zu teilweisem Umdenken bereit sind und damit die Richtigkeit der alt- und christ-katholischen Positionen ungewollt unterstreichen, zeigen entsprechende Verlautbarungen. So heißt es beispielsweise in einer Stellungnahme der VELKD aus dem Jahre 2007 unter anderem: „Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist das Filioque-Problem verstärkt Gegenstand ökumenischer Verständigungsversuche. So wurde beispielsweise auf der Achten Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Curitiba 1990 eine Resolution verabschiedet, in der es für angemessen gehalten wurde, „auch die Fassung von 381 (zu) gebrauchen (...), zum Beispiel bei ökumenischen Gottesdiensten.“ In einer „Stellungnahme der Kirchenleitung der VELKD zu einigen Fragen des Wortlautes des Nicaeno-Constantino-politanums“ aus dem Jahr 1997 wird es - entsprechend der Resolution des LWB - für möglich erachtet, dass lutherische Christinnen und Christen in ökumenischen Gottesdiensten mit Kirchen, bei denen das NC ohne den Zusatz des „filioque“ in Gebrauch ist, auch das NC in der Fassung ohne „filioque“ mitbeten.“ [Ökumenisch den Glauben bekennen, – Stellungnahmen der VELKD, Nr. 139/2007]

 

Die alt-katholischen Kirchen haben schon seit Beginn ihrer kirchlichen Eigenständigkeit diesen Zusatz aus quellenkundlichen wie aus ökumenischen Gründen stets abgelehnt und sich in zahlreichen Unionskonferenzen mit den orthodoxen Kirchen auf die Ökumenischen Konzilien berufen. Und in dieser Tradition stehend bekennen auch wir Christ-Katholiken:

 

"Wir halten fest an dem, was überall, was immer, was von allen geglaubt worden ist." [Vinzenz von Lérins: Commonitorium, 5. Jhdt]

 

Weitere Quellen:

 

Internationale Theologische Zeitschrift, Bern - Beiheft zur Ausgabe

 

Böhnke/Kattan/Oberdorfer (Hg.), Die Filioque-Kontroverse – Historische, ökumenische und dogmatische Perspektiven 1200 Jahre nach der Aachener Synode – Quaestiones Disputatae (Herder) 2011

 

Synode in Aachen 809, http://www.geschichtsquellen.de/repOpus_01343.html, 2012-09-26

 

 

Ökumene jetzt

Von Amond Arnold

 

Die Überwindung der konfessionellen Kirchentrennung ist das Ziel einer Initiative, die von Personen des öffentlichen Lebens aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur, Sport und anderen gesellschaftlichen Bereichen vor einigen Wochen mit einem öffentlichen Aufruf gestartet wurde. „Wir wollen nicht Versöhnung bei Fortbestehen der Trennung, sondern gelebte Einheit im Bewusstsein historisch gewachsener Vielfalt“, schreiben die Initiatoren in ihrem Aufruf, den man auf der Website oekumene-jetzt.de nachlesen kann. Bis heute haben sich über 6000 weitere Unterstützer der Aktion gefunden. Die Website bietet jedem, der willens ist, die Möglichkeit, sich online an Ökumene jetzt zu beteiligen. Außerdem kann man sich hiermit eigenen Beiträgen an der Diskussion beteiligen. Die Autoren verschweigen nicht, dass es zwischen den Konfessionen unterschiedliche Positionen im Verständnis von Abendmahl, Amt und Kirche gibt. Sie meinen aber, dass diese Unterschiede die Aufrechterhaltung der Trennung nicht rechtfertigen. Offensichtlich sei vielmehr, dass evangelische und katholische Christen viel mehr verbinde als trenne. Sie wollen sich auch nicht damit zufrieden geben, dass die Kirchen sich gegenseitig als Kirchen anerkennen, obwohl sie eingestehen, dass wir selbst von diesem Schritt noch weit entfernt sind. Wie die Initiative sich ihr Maximalziel einer vollständigen Einheit im „Bewusstsein historisch gewachsener Vielfalt“ vorstellt, weiß sie allerdings nicht zu benennen, noch macht sie sich Gedanken darüber, in welchen Schritten, man sich diesem Ziel nähern könnte. Mit ihrem Aufruf haben die Initiatoren leider nur die beiden großen Konfessionen evangelischer und katholischer Christen im Blick. Abgesehen davon, dass diese beiden Konfessionen jede für sich beileibe keine geschlossenen Blöcke darstellen, verschweigt oekumene-jetzt, dass wir dank Globalisierung und Migration inzwischen Kirchentür an Kirchentür mit orthodoxen und orientalischen Christen zusammenleben. Dass Ökumene heute auch Ökumene unterschiedlicher christlicher Ethnien und Kulturen bedeutet, erwähnen die Verfasser des Aufrufs mit keinem Wort.

Nicht nur aus diesem Grund halte ich das Ökumeneverständnis des Aufrufs für überholt. Es geht auch stillschweigend von der irrigen Annahme aus, es hätte je eine Einheit aller Christen gegeben, die es wiederherzustellen gelte. Von allem Anfang an, schon die Zeugnisse des Neuen Testaments belegen es, haben Christusgläubige unterschiedliche Wege beschritten, das Evangelium der Ökumene, dem ganzen Erdkreis, bekannt zu machen. Von allem Anfang an haben Christen miteinander um das richtige Verständnis des Evangeliums gerungen. Sie haben gestritten und sich dabei oft genug zerstritten, das sei zugegeben. Aber so paradox es klingt, nur so wurde das Christentum wahrhaft ökumenisch, den ganzen Erdkreis umspannend. Deshalb gilt es zunächst anzuerkennen: Ökumene Jetzt ist Realität und sie ist gekennzeichnet durch die Vielfalt der Christentümer (Giancarlo Collet) vor unserer Tür und über den Erdkreis. Eine Vielfalt, die übrigens quer durch alle „Konfessionen“ geht. Zur Realität von Ökumene Jetzt wird aber auch immer gehören, dass wir miteinander streiten. Geschwister tun das nun mal.

 

Der Autor ist katholischer Priester, ursprünglich römisch-katholisch wechselte er später in den Dienst der alt-katholischen Kirche. Heute lebt er ohne Seelsorgeauftrag im Ruhestand.

 

 

 

Überlegungen zur Armut

von P. Gerhard Seidler OPR

 

Unser Besitzstreben soll durch eine dynamisch geistige Ausrichtung immer mehr vom „Haben-wollen“ zum „Sein-wollen“ gewandelt werden, aus dem eine tiefe Freude am Sein und die Kraft zum Teilen erwächst. Hier tut sich ein Spannungsbogen auf zwischen den Dimensionen der Wesensarmut und der Sacharmut. Sich bewusst werden, dass wir vom Schöpfer abhängig und auf ihn hin verwiesen sind und die Bereitschaft diese Verwiesenheit und Abhängigkeit anzunehmen und gestalten zu lernen sind die Kriterien der Wesensarmut. In einem Wortspiel ausgedrückt können wir uns eingespannt sehen in unsere „theonome Autonomie“. Gott kann mich nur in dem Maße durch seinen Heiligen Geist beschenken, wie ich mich ihm arm und leer zur Verfügung stelle. Christliche Anthropologie (Menschensicht) beruht dabei auf meiner Gottesebenbildlichkeit. So kann durch mich Gott Mensch werden, auf dass ich vergöttlicht werde.

 

Wichtiger Teilaspekt dabei ist die „Armut in den Beziehungen“. Meine „Verhaltensmuster“ und mein „Rollenverhalten“ stehen dabei auf dem, auf „seinem“ und meinem Prüfstand. Ich lerne in dieser Sichtweise meines Seins auf „gemachte“ Stärke zu verzichten. Ich lerne Unechtes und Masken zu erkennen, abzulegen und hinter der Maske ungeschminkt die unverwechselbare Person zu sehen: Dich und mich. So ist und wird es mir möglich, mich ungeschützt zu zeigen. Nur in dieser Atmosphäre kann Nähe, Wärme und Zärtlichkeit aufbrechen, in der ich die Anwesenheit Gottes im je anderen wahrzunehmen und zu erleben vermag.

 

Wesensarmut und Armut in den Beziehungen zeigen ihre Werthaftigkeit in der Konfrontation mit der „materiellen Armut“. So oder so: Meine Beziehung zu Gott, zum Mitmenschen, zur Schöpfung und zu mir selbst prägen meinen Lebensstil und fordern im- und explizit meinen kritischen und verantwortungsvollen Umgang mit den Gütern, auf die ich und meine Mit- und Umwelt angewiesen sind und die ich und wir andererseits erwirtschaften. In diesen Zusammenhang gehört auch der Umgang mit, drücken wir es so aus, „materiellem Mehrertrag“. Es geht um die soziale Dimension und Verpflichtung des Kapitals, meines Gewinns.

 

Für Christenmenschen sind dabei eine gesunde Gelassenheit und der verantwortungsvolle Umgang mit den gegebenen „Talenten“ und dem durch sie erzielten „Mehr“ normativ. Ich bin es, der gibt und der nimmt. Ich stehe im Spannungsfeld von Haben und Sein. Durch mein Handeln soll meine Gottesebenbildlichkeit durchscheinen. Dabei „erscheint“ es mir wichtig, dass ich mir selbst etwas gönnen kann, dass ich mich selbst wertschätze als „Tempel des Heiligen Geistes“.

 

In solchem Sein und Dasein hat Geiz, aber auch Selbstverleugnung keinen Platz. - Mein Licht steht nicht unter einem Scheffel, für wen oder was sollte es dort leuchten? In der „Frohbotschaft nach Johannes“ 17,22 hören wir Jesus, den Christus sagen: „Ich habe die Herrlichkeit, die du mir gabst, ihnen gegeben, damit sie eins seien, wie wir eins sind“.

 

Im Licht dieser Zusage erkenne ich meine eigenen Grenzen der Liebes- und Beziehungsfähigkeit und mir wird klar, dass ich den „Stückwerks-Charakter“ meines Tuns und meines Seins annehmen darf.

 

Ich muss nicht müssen... Erfolg ist ein Geschenk für das ich dankbar sein kann. Zwang zum Erfolg jedoch kann zum „Tanz ums goldene Kalb“ werden. Dabei spricht dann nicht der „brennende Dornbusch“ zu mir, sondern es herrscht „eisige Stille“ und doch verbrenne ich und bin draußen („burn out“). Erst im Spiegel der geschilderten trinitarischen Armut: im Einklang von Wesens-, Beziehungs- und materieller Armut wird echte Partnerschaft möglich. In ihr weiß ich mich mit meinem So-Sein, mit meinen Fähigkeiten und Talenten, mit meinen Defiziten, Mängeln und Grenzen angenommen. In ihr lebe ich und durch sie trägt mein ganzes Dasein dazu bei, Gott, meinen Schöpfer, zu verherrlichen.

 

 

 

Dem Leben eine Chance geben

Die professionelle Schwangerschaftskonfliktberatung von „Pro Femina“

 

„Kein Beratungsgespräch mit einer Schwangeren sollte enden, bevor sie eine Alternative zur Abtreibung erhalten hat“, dass fordert der Vorsitzende der Beratungsstelle Kristijan Aufiero. „Pro-Femina“ getragen von Christen unterschiedlicher Konfessionen arbeitet etwas anders als herkömmliche Beratungsstellen. Die Frauen werden zunächst telefonisch beraten, dabei geht es nicht um irgendwelche Scheine, sondern um die konkreten Sorgen, Nöte und Ängste der Frauen. Es geht den Beraterinnen darum Perspektiven und Alternativen für ein Ja zum Leben anzubieten. In den vergangenen drei Jahren konnten rund 3000 Frauen durch „Pro-Femina“ beraten werden. Von diesen Frauen entschieden sich circa 70% nach ausführlicher Beratung und Hilfsvermittlung für ihr Kind. Seit Oktober 2012 kann die Beratungsseite von „Pro-Femina“ auch über das Portal der Christ-Katholischen Kirche in Deutschland erreicht werden.

 

 

Von der Liturgie der alten Kirche Teil 3

 

Leseempfehlung: Alfons Fürst, Die Liturgie der alten Kirche, Münster 2008

 

Die Feier der Eucharistie in der Spätantike

 

Die sogenannte „reichskirchliche Zeit“ umfasst das 4. bis 6. Jahrhundert. In dieser Zeit wurden die bis dahin entwickelten liturgischen Formen weiter ausgestaltet und zunehmend mit weiteren Gebeten und Riten angereichert, sodass es zu einer stetig wachsenden Zeremonialisierung der Liturgie kam. In den unterschiedlichen Regionen der alten Kirche entwickelten sich dabei unterschiedliche Typen von Liturgien heraus.

 

Von der Feier der Gemeinde zum Staatskult

 

War die traditio apostolica im 2./3. Jahrhundert noch eine schlichte Feier, so änderte sich dies nach der Christianisierung des Reiches durch die Kaiser erheblich. Das Christentum wurde Staatsreligion und damit auch zur Staatsrepräsentanz. Die christlichen Geistlichen wurden zunehmend in ein Beamtenverhältnis mit entsprechenden Hoheitsrechten gestellt. Besonders die Bischöfe wurden zu Würdenträgern, die nun entsprechender Insignien bedurften. In diesem Kontext zogen der Kniefall, der Handkuss, das Verhüllen der Hände, das Dach über dem Thron (Ziborium), der Sängerchor, Weihrauch, Kerzenleuchter, sowie die bischöfliche Kleidung in den christlichen Gottesdienst ein. Während Martin von Tours und Augustinus sich noch gegen die zunehmende „Verstaatlichung“ der Liturgie zum Reichskult aussprachen, und etliche Wüstenväter sich auch aus Protest in die Einsamkeit zurückzogen, war die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten.

 

Glaubenserneuerung auf musikalische Weise

 

Ursprünglich lehnten die Christen alle Musikinstrumente im Gottesdienst (als Ausdruck heidnischen Götzenkultes) ab. Allein das Wort, die menschliche Stimme, schien zum Gotteslob angemessen zu sein. Während bis zum dritten Jahrhundert wohl ausschließlich die biblischen Psalmen und Hymnen gesungen wurden, kam ab dem vierten Jahrhundert eine Fülle von christlichen Hymnen auch in lateinischer Sprache hinzu. Als Meister der frühen Kirchenmusik gilt Ambrosius von Mailand. Von den neuen musikalischen Möglichkeiten war Augustinus tief beeindruckt. Johannes Chrysostomus empfiehlt den Hymnengesang als das beste Mittel, um seine Seele zu Gott zu erheben. In dieser Zeit wurden die Gesänge des Kyrie, des Glorias, des Sanctus und des Agnus Dei zum festen Bestandteil der christlichen Liturgie.

 

Von der täglichen Kommunion zur täglichen Eucharistiefeier

 

Während in der Frühzeit der Gottesdienst nur am Sonntag gefeiert wurde und die Gläubigen sich für die Werktage konsekriertes Brot mit nach Hause nahmen, um es täglich nüchtern in der Früh zu konsumieren, wurde die Eucharistie in der Spätantike häufiger, schließlich sogar täglich gefeiert. Die Gläubigen kommunizierten nun nicht mehr in jeder Feier, Ambrosius klagte sogar darüber, dass sie im Osten nur noch einmal im Jahr kommunizierten. Bei Johannes Chrysostomus hören wir sogar die Klage: „Umsonst ist das tägliche Opfer, umsonst stehen wir am Altar: Niemand ist da der teilnimmt.“ Gab es ursprünglich eine wöchentliche Eucharistiefeier mit täglicher Kommunion, so gab es nun tägliche Eucharistiefeiern aber nur noch wenige Kommunionen im Jahr. Im ersten Jahrtausend war die Handkommunion üblich, die Gläubigen sollten im Osten dafür die gewaschenen Hände kreuzförmig übereinander legen und im Westen sollten die Kommunikanten ihre Hände durch ein Tuch bedecken.

 

Während die Liturgie im Westen ursprünglich in griechischer Sprache gefeiert wurde, wechselte man zu jener Zeit in die Volkssprache Latein. In anderen Regionen setzte sich das Syrische später auch das Slawische durch. Trotz oder gerade wegen eines breiten inneren Konsenses in allen liturgischen Fragen entwickelte sich in Ost und West eine Fülle von regional sehr unterschiedlichen Liturgien.

 

 

Meldungen aus der Union von Scranton

 

Franziskaner-Eremiten

 

Noviziatsaufnahme von Bruder Hubert Tassatti

 

Am 3. November traf sich der ökumenische Freundeskreis der Franziskaner-Eremiten in Regensburg zu seiner Jahrestagung. Höhepunkt des Tages war die Aufnahme von Bruder Hubert Tassatti ins Noviziat der Gemeinschaft.

 

Heilige Weihen

Erste Diakonen- und Priesterweihen in der Christ-Katholischen Kirche

 

Am Sonntag, den 30. September weihte Bischof Dr. Roald N. Flemestad Br. Gerhard Seidler, Dr. Thomas Doell und Dr. Christian Kliver in der Kapelle der Abtei St. Severin in Kaufbeuren zu Diakonen. Am Samstag, den 17. November konnte Bischof Roald dann den Diakonen Seidler und Doell das Sakrament der Priesterweihe in der Trinitatiskirche (München) spenden.

 

Ökumenische Begegnungen

Eine junge Kirche stellt sich vor

 

Am 1. Oktober kam es zu einer Begegnung zwischen Bischof Roald Flemestad und Bischof Gerhard Meyer von der Reformierten Episkopalkirche in Deutschland. Am 29. Oktober traf Generalvikar Klaus Mass den Apostolischen Nuntius Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset in Berlin und am 19. November begegnete Bischof Roald dem Bischof der Selbständig Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) Hans Jörg Voigt in Hannover.

 

Pastoralkonferenz der Geistlichen und der Pastoralen Mitarbeiter

 

Am 16. November trafen sich die Geistlichen und die pastoralen Mitarbeiter der Kirche zu ihrer ersten Pastoralkonferenz. Als Gastreferent konnte Propst Ottar Myrseth aus St. Olav, Ålesund begrüßt werden. Er referierte zum Thema: Spiritualität der Nordisch-Katholischen Kirche. Dabei griff er das Bild vom Hl. Paulus auf, der nicht nur als Apostel, sondern auch als Zeltmacher unter den Menschen lebte und arbeitete. Bischof Roald gab einen internationalen Überblick über die aktuelle Situation der Union von Scranton und Generalvikar Mass sprach über die sehr positiven Entwicklungen im vergangenen Jahr, sowie über die Zukunftsplanungfür das kommende Jahr.

 

Gründung der christ-katholischen Mission in Ungarn

 

Am Fest des hl. Martin durfte Generalvikar Mass in der Geburtsstadt des Heiligen Martin (Szombathely) nicht nur dessen Geburtshaus (heutiges Dominikanerkloster) besuchen, sondern auch die christ-katholische Mission in Ungarn errichten. Im Rahmen des Eröffnungsgottesdienstes wurden zwei Männer zu Lektoren und Akolythen beauftragt, sie werden in den kommenden Monaten versuchen, durch Gesprächskreise, Bibelabende und Vespergottesdienste eine Gruppe um sich zu sammeln.

 

Aus der Ökumene:

Anglikaner

 

Justin Welby wird neuer Erzbischof von Canterbury

 

Der als eher konservativ geltende Justin Welby arbeitete elf Jahre lang in der Erdölindustrie, bevor er Anfang der 1990er Jahre zum Priester geweiht wurde. Justin Welby wurde am 9. November zum neuen Erzbischof von Canterbury und damit zum geistlichen Oberhaupt von etwa 80 Millionen Anglikanern weltweit ernannt. Der 56-jährige Welby, bisher Bischof von Durham, tritt damit die Nachfolge des 62-jährigen Rowan Williams an, der zum Jahresende nach fast zehn Jahren aus dem Amt scheidet. Der mehrfache Familienvater ist erst seit einem Jahr Bischof. Nach einem Studium in Cambridge arbeitete er in England und Frankreich elf Jahre lang in der Erdölindustrie, bevor er Anfang der 1990er Jahre - mit bereits 37 Jahren - zum Priester geweiht wurde. Im Gegensatz zum, als liberal geltenden Williams, gilt Welby eher zum konservativen Flügel der Kirche von England. Gleichgeschlechtliche Ehen lehnt er ab, befürwortete jedoch auf der Herbstsynode den gescheiterten Antrag für die Weihe von Frauen zu Bischöfinnen.

 

Die Kirche von England lehnt die Zulassung von Frauen zum Bischofsamt ab

 

Während zunächst mit einer deutlichen Mehrheit der 470 Synodalen für die Einführung des weiblichen Episkopates gerechnet wurde, warnten kritische Stimmen dagegen. In der Debatte wurde nicht nur auf die fehlende biblische Begründung, auf die Probleme kritischer Christen mit ihrer zukünftigen Kirchenleitung und dem möglichen sakramentalen Bruch zwischen einzelnen Bischöfen hingewiesen, auch wurde das Mobbing der Befürworter gegen die Kritiker beklagt. Die Befürworter hingegen verwiesen auf veränderte gesellschaftliche Rollenbilder der Geschlechter, auf die möglichen Frustrationen bei den weiblichen Klerikern und den möglichen Verlust der Zukunftsfähigkeit der Kirche. Zwar sprach sich eine Mehrheit der Synodalen für die Einführung des weiblichen Episkopats aus, die notwendige Zweidrittelmehrheit in allen drei Kammern (Bischöfe, Geistliche und Laien) wurde jedoch nicht erreicht. Die größten Widerstände kamen aus der Kammer der Laien.

 

Weder die Befürworter, noch die Kritiker konnten wirklich neue Argumente in die Debatte bringen. Während die einen soziologisch argumentierten und damit die Rollengleichheit von Mann und Frau einforderten argumentierte die Gegenseite theologisch und verwies auf Schrift und Tradition, sowie die sakramentale Einheit der Kirche.

 

Alt-Katholische Kirche in Deutschland will sich nicht „christkatholisch“ nennen:

 

Die Bistumssynode der alt-katholischen Kirche in Deutschland verzichtete auf die Selbstbezeichnung "Christkatholisch". Das Katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland akzeptiert und bestätigt damit zumindest indirekt die Namenswahl der Christ-Katholischen Kirche in Deutschland.

 

Kopten

 

Papst Tawadros II. neues Oberhaupt der ägyptischen Kirche

 

Genau an seinem 60. Geburtstag wurde der Mönch und Bischof Suleiman, der ursprünglich Pharmazie studiert und eine pharmazeutische Fabrik geleitet hatte, per Losentscheid zum neuen Oberhaupt der koptischen Christen weltweit gewählt. Schon kurz nach seiner Wahl machte er deutlich, dass er sich nicht nur als Oberhaupt der ägyptischen Christen fühlt: "Der Papst der ägyptischen Kirche ist ein Papst für alle Ägypter, ich bin ein Diener aller Ägypter, ob Muslime oder Christen, mein Herz ist offen für alle ohne Ausnahme, jeder Mensch hat einen Platz in meinem Herzen", sagte Tawadros und drückte damit nichts weniger aus, als den Anspruch, Nachfolger der alten Ägypter und Pharaonen zu sein.

 

Er sei als guter Gesprächspartner und Zuhörer bekannt, besonders die Arbeit mit Jugendlichen und Familien lägen ihm als Bischof am Herzen. Viele erhoffen sich von ihm einen spirituellen Aufschwung der ägyptischen Kirche. "Das wichtigste für mich ist, dass die Kirche ihre spirituelle Linie wiederfindet. Das ist ihre grundsätzliche Aufgabe", sagt der 60-Jährige. "Die Kirche als Institution muss wieder lernen, der Gesellschaft in allen Bereichen zu dienen." Kirche und Politik, das passe nicht zusammen, sagt Tawadros. Und er kommt damit Kritikern aus den eigenen Reihen entgegen. Unter seinem Vorgänger Shenouda III. hätte die Institution zu oft zu eng mit dem Mubarak-Regime kooperiert und sich als politische Vertretung der Christen ins Spiel gebracht, sagen viele.

 

Und doch hat sich Tawadros vor seiner Amtseinführung in die aktuelle ägyptische Politik eingemischt. Die neue Verfassung, die zurzeit erarbeitet wird, müsse die freie Religionsausübung in Ägypten gewährleisten, beharrt der Kirchenmann. Es dürfe keine verschärfte Form des islamischen Rechts darin zum Tragen kommen. Zurückhaltend äußerte sich Tawadros zu Übergriffen auf Christen, die in den vergangenen Wochen wieder zugenommen haben. Nichtverschleierten Frauen, Muslima und Christinnen, wurden auf offener Straße die Haare abgeschnitten. Christen wurden von Islamisten am Gang zum Gottesdienst gehindert. Der Staat müsse alle Bürger vor Übergriffen schützen, Christen und Muslime, sagte Tawadros in einem Zeitungsinterview. Angesprochen auf Äußerungen extremer Islamisten, die die Rechte von Christen im Land weiter beschränken wollen, wird er zitiert: "Was uns angeht: Wir lieben sie."

 

Leserbriefe:

 

 

Zum Bildwiesenfest in Ebenweiler

 

Jedes Jahr freue - nicht nur - ich mich auf das Kräuterfest auf dem Bildwiesenacker der Brunnenhofmönche in Ebenweiler. Der Bildwiesenacker ist eine Stätte der Begegnung, der Einkehr, des Dialogs, der Freundschaft, des Menschseins.

 

Auch in diesem Jahr war im vorhinein klar, dass ein christ-katholischer Gottesdienst - auf Einladung der Brunnenhofmönche - auf dem Bildwiesenacker stattfinden wird, der vom Abt der ökumenischen Zisterzienser-Abtei von St. Severin geleitet wurde.

 

Zum ersten Mal erlebten die anwesenden Gläubigen die sogenannte Lima-Liturgie. Diese überzeugt durch Offenheit und die Betonung bzw. Hervorhebung des gemeinsamen, christlichen Glaubens.

 

Demzufolge war es eine ergreifende und tief bewegende neue Erfahrung für mich miteinander das Glaubensbekenntnis zu sprechen.

 

Ich hätte mir gewünscht, wenn auch noch ein offizieller Vertreter der Ortsgemeinde teilgenommen hätte. Leider war das nicht so - aber vielleicht beim nächsten Mal. Das wäre mein Wunsch.

 

Die bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft zeigte etwas vom Reich Gottes und von der Weite der Kirche. Die Einladung zur Kommunion für alle appellierte an die Mündigkeit des einzelnen Christen mit den Worten: "Jeder, der an die Gegenwart Christi in den Gestalten von Brot und Wein glaubt ." Hilfreich war die klare Positionierung von Pfarrer Mass, der die Christ-Katholische Kirche kurz und präzise vorstellte und auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit der römisch-katholischen Kirche hinwies. Angenehm war, dass nicht polarisiert oder diffamiert wurde, sondern das Gemeinsame im Vordergrund stand - nämlich: wir sind alle Christen.

Heidi Hartman

 

Petition gegen die ZDF Sendung "Götter wie wir"

 

Die Sendung ist hier einzusehen: http://www.goetterwiewir.de/

 

 

Eine Gruppe von Theologiestudenten fühlt sich durch eine Sendereihe des ZDF in Ihren religiösen Gefühlen verletzt. Wir dokumentieren an dieser Stelle den offenen Brief der Studenten an den Intendanten Herrn Thomas Bellut.

 

Sehr geehrter Herr Intendant Thomas Bellut,

 

seit dem 14. Okt. strahlen Sie im ZDF, über ihren Sender > ZDF Kultur < eine Sendereihe aus, die den Titel hat Götter wie wir.

 

In jeder dieser Sendungen wird der Jüdisch-Christliche Glaube von Millionen Deutscher Bürger lächerlich gemacht, wie Sie sich dies beim Islamischen Glauben nie erlauben würden. Im Gegenteil, diese Mitbürger bekommen sogar wöchentlich eine extra Sendung, um sich darzustellen.

 

Nun ist zwar Comedy beim ZDF hoch im Kurs und alles wird verkohlt, von Frau Merkel angefangen bis zum letzten kleinen Politiker und Bischof, aber die obige Sendereihe geht entschieden zu weit!

 

Alles was Juden und Christen heilig ist, der Allmächtige Gott, Jesus Christus, die biblische Geschichte usw., alles wird durch den Kakao gottloser Polemik und Narretei gezogen!

 

Sie als öffentlich-rechtlicher Sender, der sich aus Gebühren von Millionen von Christen mitfinanziert, verspotten alles, was 40 Millionen Deutschen heilig, lieb und wert ist. Die sogenannte Kunstfreiheit geht hier wieder einmal zu weit.

 

Was Sie sich gegenüber Muslimen nie trauen würden, weil diese mit Gewaltausbrüchen reagieren und sich an den Beleidigern rächen (siehe das berüchtigte Mohamed- Video im Internet), das nehmen Sie sich aber gegenüber uns Christen heraus!

 

Wir protestieren hiermit auf das Schärfste gegen diese unverschämte Beleidigung des abendländischen Glaubens von Millionen Europäern und fordern die SOFORTIGE Einstellung dieser beleidigenden und blasphemischen Sendereihe, sowie eine öffentliche Entschuldigung!

 

Ihr Benjamin Bohner

 

 

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