Geschichte

Christ-Katholische Kirche in Deutschland

Im Wesentlichen Einheit, im Weiteren Freiheit, in Allem aber Liebe

(Hl. Augustinus)

 

Geschichte der Christ-Katholischen Kirche in Deutschland

Die Christ-Katholische Kirche gehört zur Konfessionsfamilie der altkatholischen Kirchen

Auf dem ersten Vatikanischen Konzil (1870) formulierte die röm.-kath. Kirche einige neue Glaubenssätze. Nachdem der Papst durch die politische Einigung Italiens seine weltliche Macht, den Kirchenstaat, verloren hatte, wurde ihm eine absolute geistliche Autorität zugesprochen. Seitdem steht der Papst, aus Sicht seiner Kirche, über dem Recht (Jurisdiktionsprimat) und kann in Glaubensfragen "unfehlbare" Lehren verkünden. Trotz heftigen Widerstandes setzten sich diese erheblichen Neuerungen in der röm.-kath. Kirche rasch durch. Katholiken, die im alten katholischen Glauben verharren wollten, wurden zunehmend aus dem kirchlichen Leben ausgegrenzt. Um nicht der Feier der Eucharistie und dem Empfang der Sakramente beraubt zu werden, gründeten sie eine "Notkirche", die altkatholische Kirche.

Die apostolische Sukzession erhielt diese neue katholische Kirche durch den Erzbischof von Utrecht. Die niederländische Kirche ist seit 1724 aufgrund eines Streites über die Bischofsernennung unabhängig von Rom. Die neuen altkatholischen Kirchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vereinigten sich mit der niederländischen Kirche zur Utrechter Union. Die Liturgie wurde in der Landessprache gefeiert und der Pflichtzölibat für die Priester aufgehoben. Darüber hinaus wurden die Laien in den altkatholischen Kirchen ernstgenommen und in alle synodalen Entscheidungen miteinbezogen. Im zwanzigsten Jahrhundert schlossen sich weitere unabhängige katholische Kirchen der Utrechter Union an.

 

Darunter die Kirche der Mariaviten und die Polnisch-Katholische Nationalkirche (PNCC) in den USA. Am Anfang des 21. Jahrhunderts für kurze Zeit auch die Old Catholic Church of British Columbia.

Seit 1931 stehen die altkatholischen Kirchen in voller Kirchengemeinschaft mit den anglikanischen Kirchen. Im ökumenischen Dialog mit den orthodoxen Kirchen setzten sich wesentliche theologische Erkenntnisse auch für die Altkatholiken durch. Im Glaubensbekenntnis verzichten die Altkatholiken auf das lateinische "filioque" und schenken in der Eucharistie der Epiklese (der Herabrufung des hl. Geistes) besondere Beachtung. Wie die Ostkirchen kennen auch die Altkatholiken die neuzeitlichen Mariendogmen "Unbefleckte Empfängnis" (Immaculata) und "Aufnahme in den Himmel" (Assumta) nicht. Stattdessen feiern die romfreien Kirchen gemeinsam die "Entschlafung Mariens" (dormitio). Die Altkatholiken können also auch als orthodoxe Kirchen mit westlicher Liturgie verstanden werden.

Der Zerfall der Utrechter Union im zwanzigsten Jahrhundert

Wie alle Weltkonfessionen mussten sich auch die Altkatholiken der Frage nach der Rolle der Frau in der Kirche stellen. Während die europäischen Kirchen der Utrechter Union mit Ausnahme der polnischen Kirche zu dem Schluss kamen, Frauen auch ins geistliche Amt ordinieren zu können, lehnte die größte Mitgliedskirche der Union, die PNCC in den USA, diese Entscheidung ab. Man wollte am altkirchlichen Grundsatz festhalten und nur das annehmen, was immer schon von allen überall geglaubt wurde. Auch wollte man sich sowohl aus theologischen Gründen, als auch aus Fragen der Ökumene in dieser Frage weder von der röm.-kath. Kirche noch von den orthodoxen Kirchen distanzieren. In den folgenden Jahren zerbrach nicht nur die anglikanische, sondern auch die altkatholische Weltgemeinschaft am Thema der Frauenordination.

Die Christ-Katholische Kirche in Deutschland

Die Christ-Katholische Kirche ist eine moderne katholische Kirche, unabhängig vom Papst, frei vom Zölibat, mit Mitbestimmungsrechten für Laien und einem altkatholischen Verständnis von Werten, Liturgie und Spiritualität.

Die Kirche wurde 2012 von ehemaligen Mitgliedern der deutschen alt-katholischen Kirche gegründet. Sie bekennt sich zu den Grundlagen des altkatholischen Glaubens, wie er im altkirchlichen Credo, den Erklärungen von Utrecht und Scranton, sowie im ökumenischen Grundlagendokument "Koinonia auf altkirchlicher Basis" definiert ist. Die Kirche bekennt sich zum bekannten Wahlspruch des Vinzenz von Lerin:

 

"Id teneamus, quod ubique, quod semper, quod ab omnibus creditum est; hoc est etenim vere proprieque catholicum."

(Lasst uns an dem festhalten, was immer und überall von allen geglaubt worden ist, denn das ist wahrhaft und wirklich katholisch.)

 

In diesem Sinne bekennt sie sich zur alten und ungeteilten Kirche des ersten christlichen Jahrtausends. Sie weist nicht nur die dogmatischen Erklärungen des I. Vatikanums zurück, sondern auch innerkirchliche Entwicklungen unserer Zeit, wie die Ordination von Frauen und die Öffnung des Ehesakraments für gleichgeschlechtliche Partnerschaften.

 

Von 2012-2018 stand die Kirche in voller Gemeinschaft mit der Nordisch-Katholischen Kirche in Norwegen. Seit 2018 steht sie mit der Old Catholic Church of British Columbia (Kanada) in voller Gemeinschaft.