022012

Christ-Katholische Kirche

Administratur der Nordisch-Katholischen Kirche in Deutschland

 

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Franziskaner-Eremiten (Regensburg) schließen sich der

 

Christ-Katholischen Kirche an

 

Regensburg, 30. April: Die Franziskaner-Eremiten aus Regensburg unter Leitung von Sr. Britta Alt haben sich der neuen Christ-Katholischen Kirche in Deutschland angeschlossen. Auf ihre Motive befragt, antwortet die Eremitin im Interview mit dieser Zeitung: „Weil ich in dieser Kirche als Ordensfrau ernstgenommen werde und meine Berufung offen leben darf. Ich fühle mich wertgeschätzt.“ Das ganze Interview mit Sr. Britta Alt finden Sie auf den Seiten acht und neun.

 

Das theologische Profil der Christ-Katholischen Kirche in Deutschland

 

In den zahlreichen auch internationalen Pressemeldungen und Kommentaren zur Gründung der Christ-Katholischen Gemeinde in München wurden besonders zwei Stichworte betont. Hierbei ging es zum einen um die ablehnende Haltung der Kirche bezüglich der Frauenordination sowie zum anderen um die Kritik an der sakramentalen Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Das theologische Profil der Kirche wird jedoch durch diese beiden Punkte keinesfalls als Ganzes erfasst und vermittelt.

 

Die Christ-Katholische Kirche in Deutschland steht für eine „bischöflich-synodale Kirche, die die Mitbestimmungs-rechte sowohl der „Laien“, als auch der „Geistlichen“ achtet und verteidigt. Sie steht für die Wertschätzung der Ortskirche und weist den Unfehlbarkeitsanspruch sowie den Jurisdiktionsprimat des Bischofs von Rom zurück.

 

Sie orientiert sich an der Lehre der alten Kirche, verzichtet im Credo auf das „filioque“ und spricht der „Epiklese“ eine besondere Bedeutung zu. Die neuzeitlichen Mariendogmen werden abgelehnt, die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils begrüßt. Fragen der Sexualität und Empfängnisverhütung gehören aus ihrer Sicht in den persönlichen Gewissensbereich des einzelnen Menschen. Sie setzt sich sowohl für die Rechte der ungeborenen und geborenen Kinder als auch für die Ehe zwischen Mann und Frau ein. Einen Pflichtzölibat kennt die Kirche weder für Priester noch für Bischöfe. Menschen, die in einer ersten Ehe gescheitert sind, finden Barmherzigkeit und erhalten die Möglichkeit einer zweiten kirchlichen Eheschließung. Über ihre Mutterkirche (PNCC) gehören die Kirchen der Union von Scranton seit 1948 dem Weltkirchenrat an und stehen in guten ökumenischen Dialogen mit zahlreichen anderen Kirchen. Zwischen der PNCC und der röm.-kath. Kirche besteht eine Vereinbarung über die gegenseitige Zulassung von Mitgliedern der jeweils anderen Kirche zu den Sakramenten. In Liturgie und Spiritualität schätzt die Christ-Katholischen Kirche sowohl traditionelle, als auch moderne Ausdrucksformen.

 

 

Ehemaliger Pfarrer der alt-katholischen Gemeinde Frankfurt wird christ-katholisch

 

Pfarrer i.R. Dieter H. Kniese hat seinen Beitritt zur christ-katholischen Kirche erklärt. Dieter Kniese war von 1971-1978 Vikar in Frankfurt und von 1978-1983 Pfarrer der Gemeinde. Zur gleichen Zeit hatte er als Vorsitzender der Finanzkommission und als Schriftleiter der Kirchenzeitung leitende Funktionen im katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland inne.

 

Aus den Medien

 

Radio Vatican

 

Mit einem Gottesdienst ist am Samstag in München die erste christkatholische Gemeinde in Deutschland gegründet worden. (…) Die Gemeinde der deutschen Christ-katholiken untersteht der nordisch-katholischen Kirche (NKK), die im Jahr 2000 in Norwegen gegründet wurde.

 

Domradio.de

 

Der leitende Bischof der NKK, Roald Nikolai Flemestad aus Oslo, führte bei dem Gottesdienst Klaus Mass als Pfarrer ein und ernannte ihn zum Administrator der NKK in Deutschland.

 

Katholisch.de

 

Trennung als Brückenschlag Bischof Flemestad und Pfarrer Mass sagten der KNA, ihre Kirche verstehe sich als Brücke zwischen alt-katholischer und röm.-kath. Kirche.

 

 

Aus der alten Kirche

 

Kirchengeschichte, Patrologie, Liturgie & Spiritualität

(Fortlaufende Rezeption der „Theologie der Kirchenväter“ von M. Fiedrowicz, Freiburg 2007, 2. Teil )

 

Vom Glauben zum Verstehen, mit Augustinus den Intellekt lieben.

 

Augustinus (354 - 430 n. Chr.) war zunächst Rhetoriklehrer in Tagaste, Karthago, Rom und Mailand. Vor seiner Bekehrung zum Christentum, er wurde 387 von Ambrosius getauft, beschäftigte er sich stark mit den Manichäern und Neuplatonikern. 395 wurde er Bischof von Hippo Regius. Sein noch heute bekanntestes Werk sind die „Bekenntnisse“, in denen er Einblick in seine innere Entwicklung gibt. Im Unterschied zu seinen Zeitgenossen sah Augustinus die Welt nicht mehr als ewigen Kreislauf, sondern zielgerichtet von der Schöpfung bis zum Weltgericht. Er nahm der Theologie die intellektuelle Skepsis und wurde somit zum theologischen Ausgangspunkt nicht nur der Franziskaner- und frühen Dominikanerschule, sondern auch der Reformation Luthers. Über Benedikt XVI. wird scherzhaft behauptet, dieser berate sich eigentlich nur mit einem Theologen, mit Augustinus.

Ein Grundanliegen der Theologie bei Augustinus besteht darin, das Geglaubte auch mit dem Verstand zu ergreifen. „Die Wahrheit nicht nur durch den Glauben, sondern auch durch Erkennen zu erfassen“. Der altkirchkliche Theologe versucht in der Auseinandersetzung mit dem Manichäismus das Verhältnis von fides (Glauben) und ratio (Verstand) zu klären. Augustinus verteidigt gegen die Manichäer, Donatisten, Arianer und Pelagianer die Unabdingbarkeit des Glaubens für die religiöse Erkenntnis. Glaube bedeutet für ihn jedoch keine gedankenlose Unterwerfung, sondern gereifte Einsicht und vertieftes Verstehen. Hierbei bezieht er sich auf Jesaja, bei dem es heißt: „ Wenn ihr nicht glaubt, dann werdet ihr nicht einsehen“. Glaube ist somit bei Augustinus kein Ersatz für das Denken, sondern eine spezifische Form des Denkens. So kann er formulieren: „Glaube ist ein Denken mit willentlicher Zustimmung“. Dem Glaubensakt müsse ein gewisses Denken vorausgehen, damit dieser überhaupt erst möglich werde. Hierzu gehört die Erkenntnis, dass Glaubensvollzüge im menschlichen Leben natürlich und notwendig seien, dass es sinnvoll sei, bedeutende Wahrheiten, die man nicht von vornherein wissen könne, zunächst zu glauben. Ist eine Offenbarungswahrheit erst einmal durch den Glauben ergriffen worden, so gilt es, sie intellektuell tiefer zu erfassen und zu durchdringen, um zur Einsicht in den Glauben zu gelangen. Somit geht der Intellekt bei Augustinus dem Glaubensakt nicht nur voraus, sondern ist in diesem selbst tätig und folgt ihm nach. Dem Glaubensakt gehe die menschliche Vernunft voraus, während die durch göttliche Weisheit genährte Vernunft ihm folge. In der Sprache des Theologen unterscheidet Augustinus hier zwischen Wissenschaft (scientia) und Weisheit (sapientia). Nur im Zusammenspiel von Wissenschaft und Weisheit könne das Heilswirken Gottes in der Geschichte erfasst werden. Glaubensreflexion wie sie hier von Augustinus geboten wird, wurde zu einem Alleinstellungsmerkmal der jungen Kirche und zum Ausgangspunkt jeder späteren theologischen Reflexion.

 

 

 

Von der Liturgie der alten Kirche Teil 2

 

Die Feier der Eucharistie in der Frühzeit

 

Aus der frühen Zeit gibt es nur wenige, dürftige Quellen, aus denen Aufschlüsse über die Feier der Eucharistie zu gewinnen sind. Wahrscheinlich versammelten sich die Christen zweimal am Sonntag am Morgen zur Feier des Wortgottesdienstes mit Lesung, Predigt und Gebet und am Abend zum gemeinsamen kultischen (Sättigungs-)Mahl. Bereits im ersten Jahrhundert wurden Sättigungsmahl (Agape) und eucharistisches Mahl voneinander getrennt. Das Agapemahl blieb jedoch bis ins 4. Jahrhundert fester Bestandteil christlichen Gemeindelebens. Das Agapemahl schlug eine Brücke, zum einen als Hinführung und Weiterführung zur Eucharistie, zum anderen zur Stärkung der Gemeinschaft bis hin zur Speisung der Mittellosen. Ab dem fünften Jahrhundert tritt es dann nur noch als Armenspeisung auf. Mit dem Verschwinden der Agapefeier änderte sich auch die Feier der Eucharistie, diese wurde nun zusammen mit dem Wortgottesdienst am Morgen gefeiert.

 

Die neuere Forschung geht davon aus, dass es jedoch auch schon im ersten Jahrhundert einen einheitlichen Gottesdienst gegeben habe. Dieser hätte mit dem Sättigungsmahl begonnen, woraufhin sich ein christliches Symposium mit Gespräch, Vortrag, Gesang und Tanz anschloss. Es sei davon auszugehen, dass der christliche Gottesdienst in den ersten 250 Jahren regional höchst unterschiedlich gestaltet gewesen sei.

 

Eine feste liturgische Form von Wortgottesdienst und Eucharistiefeier am Sonntagmorgen findet sich zwar bereits im zweiten Jahrhundert, allgemeingültig wurde diese jedoch erst ab dem 3. Jahrhundert. Die eucharistischen Gebete wurden zunächst in freier Rede vorgetragen, erst später setzten sich feste Texte durch.

 

In der traditio apostolica findet sich diese Entwicklungsgeschichte vom zweiten bis zum vierten Jahrhundert exemplarisch besonders gut wieder.

 

Der Kuss der Versöhnung und die Herabrufung des Hl. Geistes (Epiklese)

 

Der Friedensgruß in Form eines Kusses gehört von Anfang an zur Feier der Eucharistie dazu. Ursprünglich handelt es sich um den Bruderkuss zur Begrüßung am Beginn des Gottesdienstes, später rückte der Friedensgruß an das Ende des Wortgottesdienstes. Schließlich kam es zu einer theologischen Verknüpfung von Friedensgruß und Eucharistie, wodurch der Friedensgruß ins Konsekrationsgebet hineinwanderte und dort schließlich seinen Platz zwischen dem Vater Unser und der Kommunionausteilung fand.

 

Besondere Bedeutung kommt der Epiklese zu. Diese wurde zum Teil als Kommunionepiklese verstanden, alsoals Bitte an den Hl. Geist, die Gemeinde mit dem Geist Christi zu erfüllen und zum anderen als Wandlungsepiklese, also als Bitte, die Gaben von Brot und Wein in den Leib und das Blut des Herrn zu verwandeln.

 

 

Das ABC des Johannes von Dr. Manfred Gies 1. Teil

 

Unter den vier Evangelien, die schon im 2. Jhdt. als zweifellos zum neutestamentlichen Kanon gehörig anerkannt waren, wurden im Johannes-Evangelium von Anfang an Besonderheiten erkannt. Es unterscheidet sich erheblich von den Evangelien des Matthäus, Markus und Lukas, deren inhaltliche Verwandtschaft und ihre textgeschichtliche Abhängigkeit untereinander ebenfalls schon sehr früh erkannt war (man kann sie mit wenigen Textumstellungen parallel lesen, weshalb man sie Synoptiker nennt). Nicht nur dadurch, dass Episoden erwähnt werden, die die anderen Texte nicht erwähnen (z.B. die Hochzeit zu Kana, die Erweckung des Lazarus) und dass Episoden fehlen (z.B. die Taufe, die sog. "Himmelfahrt"), sondern auch dadurch, dass der Autor hat offenbar auf ganz andere Dinge der Präsenz, und sogar auch der Botschaft, des Wanderpredigers Jesus Wert gelegt. Dies zeigt sich unter anderem auch in den sehr umfangreichen Reden Jesu und seinen Dialogen mit seinen Schülern und anderen Personen, die in den anderen Texten gar nicht erwähnt werden.

 

So hat das Joh.-Ev. einen ganz eigenen Stil der Sprache. Sowohl im beschreibenden Text, als auch in den Dialogen, auch wenn es in dem damals im ganzen Mittelmeerraum üblichen Griechisch, der sog. Koine, geschrieben ist. Auch der Aufbau des Textes, seine Komposition hat Besonderheiten, auch wenn zweifellos einige Passagen eine nicht ganz eindeutig zu verstehende Umstellung erfahren haben, die den Eindruck machen, als habe hier jemand einmal Papyrusblätter vertauscht.

 

Insbesondere verwendet der Autor aber bestimmte Ausdrücke bezeichnend häufiger als die anderen Autoren des Neuen Testamentes. Manchen Vokabeln finden sich überhaupt nur bei ihm, so dass man eindeutig im Evangelium und im 1. Brief des Johannes denselben Autor erkennen kann.

 

Grob zusammengefasst (das im Einzelnen zu begründen, ist hier nicht der Ort) kann man sagen, dass der Text eine Theologie, eine Christologie (in den Selbstaussagen Jesu) und eine Anthropologie (in den, teils auch indirekten, Aussagen über den Menschen) enthält, die sich nicht nur von den Synoptikern unterscheidet, sondern auch von der neutestamentlichen Briefliteratur des Paulus, der paulinischen Schule, und den anderen Autoren (bis auf den 1. Joh.-Brief natürlich).

 

Die Sprache des Autors, dessen Identität übrigens bis heute strittig ist (bis ins 19. Jhdt. war es allgemeiner Konsens, dass es sich um den Schüler Johannes handelte, der in den anderen Evangelien und in der Apostelgeschichte genannt wird, in unserem Text aber gerade nicht), zeichnet sich einerseits durch eine starke Betonung der Sinnlichkeit aus: Es ist vom Sehen, Hören, Riechen, vom Spucken und vom Anfassen die Rede, vom Essen und Trinken. Gefühlsregungen werden deutlich gezeigt: Empörung der Zuhörer, Jesus weint (ebenso wie Maria, die Magdalenin) und ist erschüttert, zeigt auch Ärger.

 

Andererseits enthält der Text Reden Jesu, die von einer derartigen Tiefe und Dunkelheit sind, dass man sie zu Recht einer Mystik zuordnen kann, wie sie sich erst Jahrhunderte später insbesondere in der sog. Deutschen Mystik eines Meister Eckhart und seiner Schule wiederfindet.

 

Zu den Begriffen, die im Joh.-Ev. in ganz hervorstechender Bedeutung präsent sind, gehört neben dem "ewigen Leben" (griech.: zoe aionion) der des „Geistes“ (griech.: pneuma). Der Letztere bekam ja in den jahrhundertelangen theologischen Auseinandersetzungen um die Trinitätslehre besonders in der zweiten Hälfte des 4. Jhdt. eine bedeutende Rolle, nicht zuletzt durch die Abhandlungen von Basilius (De spiritu sancto, 374) und Augustinus (De trinitate, Buch XV). Und gerade für die Rolle des "Heiligen Geistes" in der Trinitätslehre wurde auf Zitate aus den Schriften unseres Autors zurückgegriffen. Er ist somit einer der zentralen Begriffe der christlichen Theologie und soll deshalb im hier geplanten "Johanneischen ABC" den Anfang machen. (Fortsetzung folgt)

 

Dr. Manfred Gies war Dozent an der Universität Saarbrücken, dort arbeitete er interdisziplinär an unterschiedlichen Lehrstühlen u.a. gemeinsam mit Prof. Dr. Gotthold Hasenhüttel.

 

 

Meldungen aus der Union von Scranton

 

Polen

 

Weihe von fünf Diakonen in Warschau am 20. Mai 2012

 

Anläßlich der Feier zum 75. Jubiläum der PNCC Gemeinde in Warschau besucht der verantwortliche Bischof Sylvester Bigaj (Kanada) Polen und wird während der Feierlichkeiten fünf neue Diakone ordinieren.

 

 

Ver-rückt und un-möglich und trotzdem real

Die Abtei St. Severin auf Einkehrtagen in Kloster Helfta

Von Bruder Friedrich Hartmann OPR

 

Zu Beginn der österlichen Bußzeit machten wir (Br.Johannes, Br. Georg, Br. Gerhard, Br. Friedrich und Abt Klaus) uns auf nach dem Zisterzienserinnenkloster Helfta in Sachsen-Anhalt. Das Kloster war einst Zentrum der deutschen Frauenmystik, dann lange verwaist und schließlich verfallen und zur baulichen und spirituellen Ruine verkommen.

 

Seit der Wende schon begleiten wir mit regem Interesse und Staunen die Wiederbelebung dieses Kraftortes aus der räumlichen Distanz. Als ökumenische Zisterziensermönche war und ist es uns ein besonderes Anliegen die spirituelle Atmosphäre vor Ort nun auch zu verkosten.

 

Schon die Klosteranlage wie sie sich heute baulich darstellt, scheint die Kirche abzubilden. Kein einheitlicher Baustil. Altes wiederhergerichtet und daneben völlig Neues erstellt. Alte Mauerreste und Fundamente sind ergänzt durch neue Bausteine und so in ihrer tragenden Funktion wieder belastbar. Tradierte spirituelle Bauteile, wie der Kreuzgang, sind in zeitgemäße bauliche Ausdrucksformen gegossen.

 

Als Bau für manch einen eine Provokation, weil gängige Vorstellungen verworfen werden, ein klares Konzept offensichtlich nicht erkennbar scheint und das „Stückwerk“ dominiert. Und dennoch ein stimmiges Erscheinungsbild, das etwas erahnen lässt von der nicht einzuordnenden Dynamik der Selbstmitteilung Gottes. Für mich ein echtes Bild von Kirche wie sie gerade auch als innerliche Wirklichkeit erfahrbar ist.

 

Auch die herzliche Aufnahme durch die uns bis dahin unbekannten Ordensfrauen von Helfta, die Teilhabe an der klösterlichen Liturgie, die offene und vorurteilsfreie geschwisterliche Begegnung und nicht zuletzt die geistlichen Impulse ließen uns trinken „vom Quell, der hier fließt“, wie es einst Gertrud die Große, eine der drei heiligen Frauen von Helfta formulierte.

 

Trotz der studenmäßig begrenzten Zeit haben wir etwas erlebt in einer Dichte, was durchaus Ewigkeitswert hat und uns dankbar und beschenkt an unsere angestammten Plätze zurückkehren ließ.

 

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Eine „neue“ – alte Kirche

 

Bericht zur Gründung der christ-katholischen Gemeinde in München

Von Br. Gerhard Seidler OPR und Br. Friedrich Hartmann OPR

 

Am 14. April 2012 fand in München ein feierlicher Gottesdienst anlässlich der Errichtung der Christ-Katholischen Pfarrgemeinde in München statt. Hierzu wollten wir einen der Kirche fernstehenden Bekannten einladen, da es sich ja um einen fundamentalen Akt für uns handelt. Und unversehens waren wir mittendrin in Diskussionen um kirchengeschichtliche Entwicklungen und Fehlentwicklungen, Positionen und Mutmaßungen, Pauschalierungen und Verurteilungen, Fragen und Absagen. Kurzum – wir konnten uns auf diese Weise nicht verständlich machen und nicht verstanden werden.

 

Und so erklärten wir unserem Bekannten von der Praxis ausgehend, dass das sakramentale Leben jeder Ortskirche von ihrem Bischof abhängt, der in der Reihe der Apostelnachfolger steht und in dessen Auftrag die Priester die Sakramente spenden. Wir machten auf die Unterschiede im Selbstverständnis einiger Kirchen aufmerksam und verwiesen auf unsere Grundsatzdokumente die Utrechter Erklärung (1889) und die Erklärung von Scranton (2008), schließlich stellten wir unseren Bischof Dr. Roald N. Flemestad näher vor. Unser Bekannter war höchst aufmerksam und interessiert, konnte aber den kirchenrechtlichen Verfassungsfragen keine größere Bedeutung zumessen. Für ihn hat der Einklang von „Wort und Tat“ einer Kirche den wichtigeren Stellenwert.

 

Was war nun am 14. April in München zu beobachten und zu erleben?

 

Äußerlich betrachtet traf sich lediglich eine Schar Glaubender mit ihrem Leiter im Gotteshaus einer befreundeten Kirche. Aber – dabei handelte es sich um den Erweis echter Gastfreundschaft – die selbständig evangelisch lutherische Kirche (SELK) überließ in der Person von Pfr. Frank Christian Schmitt, Gotteshaus und Gemeinderäume der mittellosen christ-katholischen Kirche in Deutschland zur Nutzung. Dieses äußere Zeichen der Ermutigung wurde auch durch ein Grußwort des Pfarrers zum Ausdruck gebracht, der im Namen seines Bischofs Hans-Jörg Voigt sprach.

 

Pfarrer Klaus Mass wurde von Bischof Roald Nikolai in sein Amt als Administrator und Generalvikar eingeführt, Abt Klaus Schlapps OPR und P. Michael Maier OPR vom Orden Port Royal als Priester der christ-katholischen Kirche in Deutschland inkardiniert.

 

Im Gottesdienst mit frohem Gesang und festlichem Orgelspiel, einer Liturgie mit freudiger Aufregung und guten Gedanken in der Predigt, zeigte sich nun erstmals der Bischof mit seinem Presbyterium und der Gemeinde im öffentlichen Raum, beeindruckend in seiner Schlichtheit und ergreifend in seiner Gewichtigkeit.

 

Zuspruch von Vertretern befreundeter Kirchen und kirchlicher Bruderschaften bestärkten diese Initiative: so überbrachte Generalvikar Thomas Rybka aus Polen im Namen von Bischof Silvester Bigai Grußworte der Polnisch Katholischen Nationalkirche (PNCC), verbunden mit einer Einladung zu einem Besuch in seine Heimat, um die Beziehungen zu festigen. Weitere Grüße kamen aus der anglikanischen Kirche, der Reformierten Episkopalkirche in Deutschland. Besonders erfreulich war der Besuch des eigens für diesen Festakt angereisten Dom Gregory Geis (OPR), der in Nordamerika das Amt eines Generalvikars für den Orden von Port Royal inne hat.

 

Der anschließende Empfang zeigte die Solidarität untereinander und gab Zeugnis von der Hoffnung die uns trägt: Das Weizenkorn ist gesät.

 

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Errichtung der Christ-Katholischen Gemeinde in Deutschland sowohl in den römisch-katholischen, als auch in den alt-katholischen Medien ein sachliches Echo fand.

 

 

 

Priesterweihe in Stockholm

 

Am 19. Mai 2012 wird Erzbischof Dr. Anthony Mikovsky Herrn Diakon Matthew M. Furemalm (bisher Pfarrer der Kirche von Schweden) zum Priester weihen. Die Feier der Ordination findet in der evangelisch-methodistischen Kirche St. Peter, Upplandsgatan 12 um 12.00 Uhr statt. Aus Deutschland werden an dieser Feier Generalvikar Mass und Abt Schlapps teilnehmen.

 

 

 

Interview mit Sr. Britta Alt, Regensburg

 

Liebe Sr. Britta, wann haben Sie zum erstenmal so etwas wie eine geistliche Berufung verspürt und wie haben Sie darauf reagiert?

 

2004 und ich war entsetzt und schockiert einerseits, andererseits hat es mich auch nicht mehr losgelassen. Ich stand damals mit beiden Beinen im Leben, war nicht wenig erfolgreich als Sängerin und Musiklehrerin. Ich war damit erstmal schlichtweg überfordert.

 

Stammen Sie aus einem sehr religiösen Elternhaus?

 

Nein überhaupt nicht. Meine Großmutter war sehr religiös und nahm mich mit in die Kirche, aber sie ließ mich meinen Weg mit Gott und mit dem Glauben finden und gehen, wie auch meine Eltern und das war gut so.

 

Eine geistliche Berufung lebt man doch normalerweise in einem Kloster, haben Sie einmal überlegt einer Gemeinschaft beizutreten?

 

Ja, ich habe mir zeitweise überlegt, ins Kloster zu gehen, aber dann auch sehr bald bemerkt, dass das einfach nicht meine Berufung ist. Bevor ich mich entschloss, Eremitin zu werden, habe ich für mich herausfinden müssen, wohin der Weg geht. Es war ein Suchen, das sehr wichtig für mich war, denn ich hatte ja praktisch niemanden, der mir dabei geholfen hat. Ich musste meinen Weg „alleine“ finden.

 

Warum haben Sie sich für das Eremitenleben entschieden?

 

Das ist wohl die schwierigste Frage überhaupt, weil diese Entscheidung eigentlich nicht von mir kam: Das einzige, das ich entschied war IHM mein Ja zu geben. Ich habe in einer kleinen Eremitengemeinschaft mein Postulat und Noviziat gemacht. Das erste, was ich tat, als ich die Konstitutionen zu Hause las: ich warf sie entsetzt in die Ecke und dachte nur, das kann ich nie. Als ich später diese Konstitutionen wieder zögernd in die Hand nahm, merkte ich, dass das, was für mich unüberwindlich schien, und von dem ich dachte, das könnte ich nie, längst zu meinem Alltag gehörte.

 

Welche Bedeutung spielt der hl. Franziskus für Sie?

 

Franziskus ist sehr faszinierend in all seinen Facetten. Er hat, zumindest wie ich ihn sehe, zwei Seiten: eine sehr rauhe, aber nie lieblose und eine sehr weiche. Manchmal hat er seine Mitbrüder sehr schroff zurechtgewiesen, ihnen aber auch im Nachhinein erklärt, warum. Er war einerseits sehr hart, zu sich selbst und zu den Brüdern, andererseits hat er ein großes Herz gehabt. Die Liebe zu Gott war für ihn untrennbar verbunden mit der Liebe zur Schöpfung und er hatte einen guten Blick für die notwendige Erneuerung der Kirche, die ihm am Herzen lag.

 

Sind Sie denn auch konkret im Natur- und Tierschutz engagiert?

 

Ja, aber sicher doch! Die Natur und die Tiere waren immer schon ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich habe mich mit den Tieren beschäftigt, im Laufe der Zeit ihre Sprache zu verstehen gelernt. Wir Menschen machen ja oft den Fehler, dass wir meinen, die Tiere müssen sich uns anpassen, dabei ist es eigentlich umgekehrt. Wir Menschen müssen die Sprache der Natur wieder lernen. Keines der Tiere die hier bei mir sind, habe ich mir ausgesucht. Alle sind zu mir gekommen. Ich sehe jedes Tier, das mir gebracht wird, als ein mir von Gott anvertrautes Wesen.

 

Welche Rolle spielt das Gebet in Ihrem Leben, haben Sie feste Gebetszeiten?

 

Feste von Uhrzeiten abhängige Gebetszeiten habe ich nicht. Kein Tag ist wie der andere, es wäre mir schier unmöglich die Uhrzeiten einzuhalten. Aber ich bete das Stundengebet, Laudes, Mittagsgebet, Vesper und Komplet. Dazwischen gehe ich oft in meine kleine Kapelle oder in Kirchen, an denen ich vorbeikomme. Das Gespräch mit Gott ist mir sehr wichtig.

 

Sind traditionelle Gebetsandachten, Rosenkranzgebet und eucharistische Andachten noch zeitgemäß?

 

Für mich ist das keine Frage, ob sie zeitgemäß sind. Ich würde sagen, sie sind zeitlos. Die eucharistische Andacht ist ein ganz zentraler Punkt in meinem Glaubensleben. Obwohl ich auch das Taizegebet schätze, muss ich doch gestehen, das mir die alten Gebetsformen lieber sind. So bete ich z.B. am Freitag auch gerne den Kreuzweg. Die alten Gebetsformen sind sehr meditativ, auch der Rosenkranz, den ich oft als fürbittendes Gebet bete.

 

Zweifeln Sie auch manchmal an Gott?

 

An Gott habe ich noch nie gezweifelt, aber es gab eine Zeit, in der ich mit ihm nichts zu tun haben wollte.

 

Warum haben Sie sich der Christ-Katholischen Kirche angeschlossen?

 

Weil ich in dieser Kirche als Ordensfrau ernstgenommen werde und meine Berufung offen leben darf. Ich fühle mich wertgeschätzt.

 

Vielen Dank für dieses interessante Gespräch.

 

 

Christ-Katholisch & Christkatholisch

Die Geschichte eines Wortes.

 

Im Rahmen der Gründungsfeierlichkeiten der Christ-Katholischen Gemeinde in München kam es aus alt-katholischen Kreisen zur wiederholt geäußerten Kritik, dass die neue Gemeinde durch Ihre Namenswahl bewusst oder unbewusst Verwirrung stifte. Die Christ-Katholische Kirche in Deutschland, Administratur der Nordisch-Katholischen Kirche nimmt die Kritik dankbar auf und zum Anlass, über den Terminus „christ-katholisch“ zu reflektieren. Dabei werden keine inhaltlichen Bewertungen der unterschiedlichen hier genannten Kirchen und Bewegungen vorgenommen, sondern lediglich auf den gemeinsam genutzten Namen verwiesen.

Der Begriff „Christ-Katholisch“ ist deutlich älter, als alle Kirchen, die sich mit diesem Namen schmücken. Die Bezeichnung christ-katholisch stammt aus der Zeit der Aufklärung (ca. 1700 -1800 n.Chr.) und verbreitete sich über den gesamten deutschen Sprachraum.

So veröffentlichte der Prämonstratenser Pater Leonard Goffine 1783 in Münster einen Predigtband mit dem Titel: „Hand-Postill oder Christ-Katholische Unterrichtungen. Auf alle Sonn- und Feyertage des ganzen Jahres.“

Ignaz Heinrich von Wessenberg (Bistum Konstanz) veröffentlichte 1812 ein „Christkatholisches Gesang- und Andachtsbuch“.

Anton Josef Binterin veröffentlichte 1833 in Mainz: „Die vorzüglichen Denkwürdigkeiten der christ-katholischen Kirche aus den ersten, mittleren und letzten Zeiten.“

In Österreich wird der Begriff erst 50 Jahre nach dem Josephinismus 1838 mit der „Christ-Katholischen Liturgik“ von Adalbert Hnogik aus Prag greifbar.

1849 erschien in Regensburg von Franz Xaver Paulhuber: „Reden über die christ-katholische Religions- Glaubens- und Sittenlehre“.

1901 erschien in München von Seyfried: „Christkatholische Hauskapelle. Lesungen für alle Sonn-und Festtage, mit notwendigen Gebeten für jene, welche den vorgeschriebenen Gottesdienst nicht besuchen können.“

Alle Autoren setzen selbstverständlich „christ-katholisch“ mit „römisch-katholisch“ gleich. Der Terminus wurde folglich synonym verwendet und verstanden. Immer klingt jedoch auch eine gewisse Kritik an den kirchlichen Verhältnissen der Zeit mit. Ursprünglich mag es ein gegenreformatorischer Klang gewesen sein. Nicht nur die Protestanten, auch die Katholiken beziehen sich auf den Ursprung des Evangeliums und auf Jesus Christus. Christ-Katholiken sind folglich zuerst an der Bibel orientiert und erst in zweiter Linie am „römischen“ Bischof. Bei „christ-katholisch“ klingt immer auch Orts- und Nationalkirche mit. Schließlich hätte Wessenberg kaum diesen Titel gewählt, wenn in ihm nicht auch die „Aufklärung“ mitschwingen würde. Diese Diskussion verblieb zunächst jedoch ausschließlich im Binnenraum der römisch-katholischen Kirche.

Dieser wurde erstmals in den 40 Jahren des 19. Jahrhunderts verlassen. So beschreibt der evangelische Pfarrer Christian Jani 1845 die „Christ-Katholische Gemeinde“ zu Schweidmühl in der Provinz Posen. Bei dieser „christ-apostolisch-katholischen deutschen Gemeinde“ handelt es sich um die Bewegung der sogenannten „Deutschkatholiken“, eine revolutionäre Gruppe, von ehemaligen katholischen Priestern gegründet, die jedoch sehr bald alles „katholische“ in Lehre und Ausdruck verlor. Die Gruppe gehört im weiteren Sinne zur Demokratie- und Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts. Diese Gruppe hat sich bewusst als „katholisch“ bezeichnet und sich von allem „römischen“ distanziert. Es liegen dem Autor keine Erkenntnisse vor, ob sich die späteren Altkatholiken in irgendeiner Weise auf diese Gruppe bezogen oder sich von ihnen distanzierten.

Im außerdeutschen Sprachraum ist der Begriff „christ-katholisch“ seit 1859 nachweisbar. In diesem Jahr wurde die Christ-Katholische Kirche (CCC) in Kanada von Rev. Charles Chiniquy (1809-1899) gegründet. Die Kirche besteht bis heute und ist gemeinsam mit anderen amerikanischen Kleinkirchen auch Mitglied im Weltkirchenrat (ÖRK).

1896 wurde in Illinois unter dem Namen: Christ-Katholische Kirche eine betont evangelisch-protestantische Kirche ins Leben gerufen.

1937 kam es innerhalb der PNCC zu einer Spaltung, da eine kleine Gruppe von Menschen ohne polnische Herkunft die Kirche verließ. Man wollte in Lehre und Ausdruck treu bleiben, jedoch ohne polnischen Hintergrund eine Gemeinde bilden. Diese bis heute bestehende Kirche nennt sich Christ-Katholische Kirche (Diözese Boston)

Von 1945 bis 1964 existierte in Ungarn eine Christ-Katholische Kirche im Umfeld der Mariaviten und des Ordens von Port Royal. 1964 flüchtete der Bischof nach Kanada, von wo aus er seine Christ-Katholische Kirche als ungarische Exilkirche am Leben erhielt. Diese darf jedoch nicht mit der bereits schon lange zuvor in Kanada bestehenden Christ-Katholischen Kirche verwechselt werden. 1984 verstarb der Bischof und mit ihm seine Kirche. Das Gedenken an ihn wird im Orden von Port Royal gepflegt.

Interessanterweise hat sich die „Christkatholische Kirche in der Schweiz“ (seit 1875) von den vorangehenden Kirchen namentlich immer deutlich unterschieden, da die Schweizer stets auf die zusammenhängende Schreibweise wertlegten, während alle anderen Kirchen den Ausdruck „Christ-Katholisch“ bevorzugten. Die gelegentlich auftauchende getrennte Schreibweise in der Schweiz ist jüngeren Datums und stammt meist von außen. Weder ist der Terminus „Christ-Katholisch“ von den Schweizern erfunden worden, noch wurde er jemals nur dort verwendet.

Die neue Kirche in Deutschland bezeichnet sich um Verwechslungen zu vermeiden bewusst als „Christ-Katholische Kirche in Deutschland, Administratur der Nordisch-Katholischen Kirche“. Dass sich die Gruppe, ohne polnischen Hintergrund, nicht als PNCC bezeichnen mag, dürfte allgemein nachvollziehbar sein. Ebenso verständlich dürfte es sein, dass sich eine nordisch-katholische Kirche in Oberbayern oder Schwaben einer unerwünschten politischen Assoziation erwehren müsste. Christ-Katholisch ist ein Titel, der sich seit über 230 Jahren international in unterschiedlichen Zusammenhängen nachweisen lässt und der sehr treffend für die inhaltlichen altkatholischen Positionen der Kirche steht. Der Terminus wurde im 20. Jahrhundert sowohl innerhalb der PNCC in den USA für Christen nicht polnischer Herkunft verwendet, als auch in Ungarn für Menschen im Umfeld des Ordens von Port Royal. Die Gründung der Christ-Katholischen Kirche in Deutschland vermag damit, unabhängig von der Schweiz, an historische Fäden anzuknüpfen, die sie in Zukunft weiter zu führen gedenkt.

 

 

Aus der Ökumene

 

Studie zur Religiosität in der deutschen alt-katholischen Kirche

Von Axel Stark

 

Im letzten Jahr wurden Mitglieder und Freunde der alt-katholischen Kirche in Deutschland zu ihrer Religiosität befragt. Den Fragebogen haben der Theologe Andreas Krebs (Univ. Bonn) und der Psychologe Dirk Kranz (Univ. Trier) geplant, entworfen und ausgewertet. Obwohl die Studie nicht im strengen Sinne repräsentativ ist, der dafür nötige Aufwand wäre unverhältnismäßig hoch gewesen, sind trotzdem wichtige Ergebnisse dabei herausgekommen.

 

Die Studie versucht drei Hauptfragen zu beantworten:

 

 

1. Wer sind die Alt-Katholiken?

 

2. Was glauben die Alt-Katholiken?

 

3. Was erwarten die Alt-Katholiken von ihrer Kirche?

 

Wer sind die Alt-Katholiken?

 

Es handelt sich um eine „Entscheidungskirche“, die Mehrheit der Mitglieder hat sich bewußt für eine Mitgliedschaft entschieden. Die Hinzugekommenen bringen sich intensiv ins Gemeindeleben ein. 83% der Konvertiten stammen aus der röm.-kath Kirche, 12% aus der evangelischen Kirche. Den Mitgliedern sind postmaterialistische Werte wie Freiheit und Mitbestimmung besonders wichtig. Die Kirche erreicht jedoch nicht alle gesellschaftlichen Gruppen und Milieus, der „typische“ Alt-Katholik stammt aus der aufstiegsorientierten Mittelschicht. Für die Kirche ergibt sich hieraus die Aufgabe sich für weitere gesellschaftliche Gruppen weiter zu öffnen.

 

Was glauben Alt-Katholiken?

 

Gottesdienst und Gebet haben für die Mitglieder einen hohen Stellenwert, die Konvertiten scheinen dabei insgesamt religiöser zu sein, als die „geborenen“ Alt-Katholiken. Das Gottesbild wird von der Vorstellung eines personalen Gottes geprägt. Vorstellungen von Gott als dem „ewigen Gesetz“ steht man eher neutral gegenüber, die Vorstellung Gott sei eine „menschliche Projektion“ wird deutlich abgelehnt. Die Alt-Katholiken sehen ihre Kirche, die evangelische Kirche und die anglikanische Kirche positiv, stehen der Orthodoxie neutral gegenüber und bewerten die röm.-kath. Kirche eher negativ. Eine eindeutig positive Haltung haben die Alt-Katholiken gegenüber der Frauenordination und homosexuellen Lebenspartnerschaften. In der Kirchenpraxis scheint dies jedoch noch längst nicht angekommen zu sein, hauptberufliche Pfarrerinnen sind ganz selten anzutreffen, offen homosexuell lebende Geistliche sind unter den Hauptamtlichen nicht vorzufinden. Fehlt es da noch zum Mut an voller Gleichberechtigung im kirchlichen Alltag?

 

Was erwarten Alt-Katholiken von ihrer Kirche?

 

In den unterschiedlichen Antworten spiegelt sich die Vielfalt der Kirche wieder. Positiv werden gesehen: die bischöflich-synodale Grundordnung, die Kirchengemeinde vor Ort, die Akzeptanz vielfältiger Lebensformen, die Wertschätzung von Individualität und Gewissensfreiheit, das kirchliche, theologische und reformerische Profil der Kirche, die Ökumenische Orientierung, die Nähe zum „schwachen Menschen“, die Liturgie, die Kirchenleitung und die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die negative Kritik beklagt die zu kleinen und zu weit verstreuten Gemeinden, gewisse Distanzlosigkeit im Umgang miteinander oder mangelnde Konfliktstruktur vor Ort. Beklagt werden die Leitung und Ausrichtung des alt-katholischen Bistums, zu wenig Werbung und Einsatz für neue Kirchenmitgliedschaften, die nicht angemessene Außendarstellung und Weltzugewandheit der Kirche, Schwächen im theologischen Profil. Gespalten sind die Alt-Katholiken in ihrem Verhältnis zur röm.-kath- Kirche. Kritisiert wird die Umsetzung der bischöflich-synodalen Grundordnung, z.B. durch „gelenkte“ Pfarrerwahlen und einen Mangel an tatsächlicher Mitbestimmung. Kritisiert werden auch Schwächen der Gottesdienste und die Kirchenbezeichnung „alt-katholisch“. Vorgeschlagene Alternativen sind „christ- oder reform-katholisch“. Obwohl das diakonische Engagement zum Wesen der Kirche gehört, wird es von den befragten Teilnehmern der Studie kaum erwähnt. Wegen des geschätzten Prinzips der individuellen Gewissensfreiheit und aus der früheren Konfrontation mit dem politischen Katholizismus bis 1933 fallen politisch-ethische und sozial-ethische Stellungnahmen durch Bischof oder Synoden aus. Ein Mittelweg zwischen bindenden Vorgaben und Entscheidungen von oben und Passivität und Schweigen auf der anderen Seite ist noch nicht gefunden. Entsprechende Dialoge müssten stärker in den Gemeinden und auf den Synoden geführt werden.

 

Eine mögliche Zusammenarbeit mit „Reformkräften“ in der röm.-kath. Kirche rückt auch nicht näher ins Blickfeld. Die Abtrennung von der röm.-kath. Kirche geschah nicht deshalb, weil die alt-katholischen Gründerväter nicht mehr katholisch sein wollten, sondern weil sie den von Rom allen Kirchenmitgliedern aufgezwungenen neuen Weg als Katholiken vor ihrem Gewissen bewusst nicht mitgehen konnten und wollten. Sie wollten auf keinen Fall diesen „neuen päpstlichen Weg“ ab 1870 als den alleinigen katholischen Weg anerkennen. Das scheinen die Alt-Katholiken heute teilweise zu vergessen, wenn sie ihre Grundlagen und ihre katholische Identität verdrängen.

 

Der Autor ist Akademischer Oberrat i.R, (Universität Passau). Er gehört der alt-katholischen Gemeinde Passau an und war über viele Jahre Kirchenvorsteher und Synodalabgeordneter.

 

 

Plötzlich entstand ein gewaltiges Brausen vom Himmel

 

Gedanken zum Pfingstfest von Dr. Manfred Gies

 

Im 2. Kapitel der Apostelgeschichte wird berichtet, dass die Schüler Jesu am jüdischen Festtag Schawuot, genau 7 Wochen nach dem Pessach, zusammensaßen. Im Griechischen heißt dieses Fest daher auch "pentekoste" ("der fünfzigste" Tag). Von da hat es den deutschen Namen Pfingsten.

 

Der Bericht schildert nun folgendes Ereignis: "Plötzlich" entstand ein gewaltiges Brausen vom Himmel, das das ganze Haus erfüllte. Und zwar wie wenn ein gewaltiger Wind (griech. pnoe) daherfährt. Und dann erschienen ihnen "sich zerteilende Zungen, wie (die) des Feuers", die sich auf jeden einzelnen von ihnen niedersetzte. Alle seien dann "von heiligem Geist (pneuma) erfüllt" worden und sie begannen, in fremden Sprachen zu reden, "wie der Geist ihnen auszusprechen gab". Und sie erschienen den Menschen, die herbeigelaufen waren, als seien sie betrunken.

 

Daran fallen einige Einzelheiten auf: Und zwar zunächst einige Textpassagen, die auch in den Evangelien erwähnt werden: Bei der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer erscheint der Geist von oben aus dem geöffneten Himmel und lässt sich auf Jesus nieder. Hier allerdings erscheint er nicht wie "Zungen wie von Feuer", sondern "wie eine Taube". Und wenn der Täufer dort sagt, er taufe zwar im Wasser, Jesus aber werde "in Geist" taufen, dann fügt speziell Lukas hinzu "in Geist und Feuer". An anderer Stelle gibt das Johannes- Evangelium eine Rede Jesu, in der dieser versichert, wenn er gegangen sei, werde er (bzw. der Vater) den Geist senden, der den Schülern die Augen öffne.

 

Das Wort für Wind, griech. pnoe, von dem hier die Rede ist, ist hier nicht dasselbe wie im Joh.-Ev. 3.8, wo mit pneuma (Wind, Atem, aber eben auch: Geist) eine Metapher hergestellt wird. Aber es wird dort gesagt, wer im Geist "von neuem" geboren werde, der sei wie Geist. Und wenn, ebenfalls im Joh.-Ev. 16.13 vom Geist, der über den Menschen komme, gesagt wird, er werde "nicht von sich aus reden, sondern was er hören wird, das wird er reden", so haben wir jetzt in dieser Episode der Apostelgeschichte Menschen vor uns, die in allerlei fremden Sprachen reden, die sie ja, wie der Text auch erwähnt, gar nicht gelernt haben.

 

Dass der Geist auf den Menschen herabkommt wird also von den neutestamentlichen Autoren so beschrieben, dass Menschen nicht aus sich selbst heraus reden, ja sogar reden, was sie selbst gar nicht verstehen, weil sie die Sprache gar nicht beherrschen. Hier kommt eine weiteres Detail dieses Berichtes ins Spiel: Das griechische Wort für Zunge heißt: glossa. Und das Wort für Sprache (sowohl Hebräisch oder Griechisch), ebenfalls glossa. Somit bedeutet es, wenn der Geist auf den Menschen herabkommt, in der sinnlichen Wahrnehmung als glossa, Zunge, dass dieser zu reden beginnt in glossai, in Sprachen, die ihm eingegeben werden. Er redet also nicht aus sich heraus, sondern er sagt was er hört. Das ist genau dasselbe, wie es der Autor des Joh.-Ev. als Eigenschaft eben des Geistes beschreibt, der vom Vater durch den Sohn auf den Menschen herabgesendet wird.

 

Diese Art des "geistbegabten" Redens nennt die Apostelgeschichte an anderer Stelle prophetisches Reden. Da dies, wie eben auch die Episode erwähnt, bedeutet, dass man diejenigen nicht unbedingt versteht, haben die Umstehenden, die sie so reden hören, den Eindruck, sie seien - wie hier wortwörtlich - "aus dem Häuschen". Man kennt diese Art des exstatischen, auch orakelhaften Redens auch aus anderen Kulturen und es hat sich, vom griechischen Wort ausgehend, der Ausdruck "Glossolalie", "Zungenreden", dafür eingebürgert.

 

Die in der Apostelgeschichte berichtete Episode hat aber noch etwas Besonderes, wodurch sich die Erscheinung von dem sonst "Glossolalie" genannten unterscheidet. Die Schüler werden zwar wie Betrunkene von den Umstehenden erlebt, aber man bemerkt schnell, dass da etwas ganz anderes vor sich geht: Denn jeder hört sie reden "in seiner eigenen Sprache, in der er geboren ist", in seiner Muttersprache also. Daher die Verwunderung ganz anderer Art: Man weiß, dass die Leute aus Galiläa kommen, sie sprechen also einen galiläisch-aramäischen Dialekt (der sich vom judäisch-aramäischen unterscheidet, den man in Jerusalem spricht). Nun werden die somit geist-begabten Schüler sicher das in diesem Lebensraum übliche Griechisch können, aber die Umstehenden hören sie in Sprachen sprechen, von denen sie nicht voraussetzen, dass sie diese je hätten lernen können. Es werden u.a. aufgezählt: Parther, Meder, Elamiter, Kappadozier, Phrygier, Ägypter, Libyer, Araber, Kreter und Römer und noch andere. Das bedeutet, hier wird ein Phänomen erzählt, das weit über das hinausgeht, was auch sonst unter "Glossolalie" bekannt ist. Jeder hört sie in seiner eigenen, also einer dieser genannten Sprachen sprechen.

 

Und man hört sie sprechen "von den großen Taten Gottes". Andere verstanden sie wohl gar nicht und hielten sie schlicht für besoffen.

 

Nun scheint es müßig, zu verstehen zu versuchen, wie das sein kann. Denn die "Botschaft" dieses Ereignisses vermittelt sich auch anders: Wir müssen das "Sprechen in fremden Sprachen, die man gar nicht gelernt hat" ja nicht unbedingt grammatisch verstehen: Dass jeder sie in seiner eigenen Sprache sprechen hört, heißt ja auch, dass jeder versteht, was die Schüler meinen und vermitteln wollen. Und die "be-geisterten" Schüler sprechen nicht so, wie ihnen selbst "der Schnabel gewachsen ist", sondern sie sprechen so wie diejenigen, die sie ansprechen selbst sprechen: Die Vermittlung der Frohen Botschaft, des Evangeliums, soll nicht so vor sich gehen, dass wir anderen unsere Sprache, unsere Bilder aufdrücken, ihnen unsere Art, die Ideen auszudrücken, aufdrängen. Sondern wir sollen es in der Sprache, in den Bildern tun, in denen die Angesprochenen "zu Hause" sind.

 

So erst würde sich das "Nicht aus sich heraus Sprechen, sondern so, wie es der Geist eingibt" verwirklichen. Denn der Geist gibt nicht nach Maß (Joh. 3.34), nicht nach dem Maß, in dem wir selbst denken. Sondern der Geist gibt nur weiter, was er selbst gehört hat (Joh. 16.13), denn Gott selbst ist Geist (Joh. 4.24). Und Gott "weiß, was im Menschen ist" (Joh. 2.25). Der Mensch nicht. Wir sollten ja sein wie der Wind (pneuma), von dem wir nur spüren, dass er DA ist, und dessen Stimme wir hören, von dem wir aber nicht wissen, woher er kommt und wohin er geht (Joh. 3.8).

 

 

Editorial

 

Mit dem Pfingstfest feiern wir die Geburtsstunde der Kirche.Im Fall unserer sehr kleinen und noch sehr jungen Gemeinde können wir das Fest der Geburtsstunde nahezu wörtlich nehmen. Pfingsten ist nicht nur Verheißung, sondern immer auch Mahnung an die Kirche. Ist der Geist Jesu noch lebendig unter uns zu spüren? Sind wir bereit nicht nur in der eigenen Sprache zu sprechen, sondern auf die Sprache der anderen, der uns Fremden einzugehen? Ist die Kirche bereit über ihre eigenen Grenzen hinauszugehen und auf andere Menschen zuzugehen? Ist es nicht Chance und Aufgabe einer kleinen und jungen Kirche dorthin zu gehen, wo die großen und alten Schwestern an Boden verloren haben? Die Menschen heute sind so religiös und spirituell wie zu allen Zeiten, doch sie sind kirchenskeptisch geworden. Die Kirche, oder, wie man so gerne sagt, das Bodenpersonal Gottes, hat, gewaltig an Glaubwürdigkeit verloren. Kleine Kirchen haben die Chance, wie Beiboote an den großen Tankern vorbeizufahren und Schiffbrüchige hier und dort, auch im flachen Gewässer, aufzulesen. Im Gegensatz zu den großen können die kleinen jedoch nicht den kompletten Service eines Kreuzfahrtschiffes bieten. Klein sein lehrt immer auch den Blick auf die eigene Unzulänglichkeit wach zu halten. Menschen, die aus entschiedener Haltung heraus leben, werden glaubwürdig. Glaubwürdig sollen Christen Zeugnis geben von der Hoffnung, die sie bewegt. Doch dieses Zeugnis wird nur ankommen, wenn es in der Sprache des Empfängers gesprochen wird. Wir haben nichts Neues zu vermitteln, wir haben jedoch im Geist Gottes immer wieder neu zu vermitteln. Frohe Pfingsten.

 

 

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